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Turn E-Mails into Blog-Postings

Da ich momentan zu faul zum Selbstschreiben bin und auch in der Frankfurter Rundschau leider keine Schockstory zu finden war, die ich bequem hier reinpasten könnte, veröffentliche ich mal Auszüge aus zwei Mails, die ich an dissidenz geschrieben habe, der am Rande einer FriedenistKriegs-Demo zur Zielscheibe eines antisemitischen Angriffs wurde. In den Mails kritisiere ich seine Stellungnahme zu den Geschehnissen. Dem Medium Mail gemäß sind die meinerseits verwendeten Formulierungen und Satzstrukturen einige Ligen unterhalb des ansonsten auf diesem Blog gewohnten Adorno-Niveaus angesiedelt.


"ich finde den ton des berichts teils sehr schräg, also gerade wie du die angriffe der migrantInnen beschreibst. auch wenn man in der ersten erregung natürlich mal daneben hauen kann finde ich doch assoziationen a la "dönerbude um die ecke" u.ä. seltsam - erstens betreiben libanesen wenn überhaupt idr eher falafel-buden und zweitens ist das nun wirklich nicht der einzige ort an denen man sie findet. zumal dir bei deutschen wahrscheinlich auch nicht "der grüne baum" o.ä. eingefallen wäre.
ganz schlimm fand ich auch die überschrift - was soll das denn heißen? du hast dich willentlich dafür entschieden auf diese demo zu gehen und dort mit der fahne aufzutreten - zwar kannst du nichts dafür, dass die welt voller antisemitinnen steckt, aber dir ist diese tatsache bekannt und du kannst dein verhalten darauf einstellen. auch im ernstfall - eine art 2. ns - würdest du wohl kaum ins kz gesteckt werden, während juden und jüdinnen völlig unbesehen ihres verhaltens von antisemiten angefeindet und ermordet werden. das ist schon ein riesiger unterschied. außerdem finde ich es problematisch, diese parallele zu ziehen, weil sie wieder jüdischsein nur über einen passiven opferzustand definiert. juden gehen aber auch gerne wandern, haben sex, sind workaholics oder wollen manchmal einfach nur ein leckeres bierchen trinken."


______

"bei der überschrift ist es für mich irrelevant ob dort jude, jud' oder ein synonymer begriff steht, ich finde es einfach komplett falsch sich als nichtjude in so ein phantasma hineinzubegeben. auch wenn die friedensheimer dich dort als quasi ideellen gesamtjuden angegriffen haben: du bist eben keiner, und du hast auch in dem moment des angriffs nicht erlebt was es heißt "jude zu sein" weil dazu a) ganz viel mehr und anderes gehört außer antisemitismus, zb bestimmte kulturelle momente etc und b) auch solche antisem. angriffe auf juden wohl ganz anders
wirken vor dem hintergrund dass sie nicht (nur) gegen sie als politisch aktive, sondern quasi gegen ihr "sein" gerichtet sind, und zudem juden idr etliche ihrer familienmitglieder, freunde, bekannten usw durch den deutschen mord 33-45 verloren haben. ich finde das eine sehr wichtige differenz und die zu verwischen ist für mich letztlich eine relativierung des antisemitismus und eine art falscher versöhnung aufgrund eines
(temporären) opferzustandes.
zu den migrantinnen:
ich finde es schwierig da eine position in zwei drei sätzen zu formulieren, das ist ja alles sehr komplex. jedenfalls sollten zwei dinge klar sein: migrantinnen sind nicht per se bessere menschen, wer das behauptet ist ein dämlicher (positiver) rassist, ihr tun und handeln muss genauso errnstgenommen werden wie das aller anderen, allerdings mit der bestimmten und nicht zu unterschätzenden differenz dass ihre taten und ihre
versuche von identitätsfindung auch aus ihrer speziellen lage, ihren erfahrungen von auswanderung, vertreibung, exil sowie diskriminierung und rassismus hierzulande verstanden werden müssen. und zum zweiten ist es unabdingbar, im falle von politisch mißliebigem verhalten von migrantinnen nie und nimmer auf rassistische stereotypisierungen zurückzugreifen, was banal klingt aber gar nicht so einfach ist weil wir alle von solchen bildern geprägt sind und die offenbar im konfliktfall dann leicht abgerufen werden um das migrantische gegenüber zu diffamieren. also konkret, selbst wenn alle migrantinnen hamas-fans wären ginge es immer nocht nicht klar von ihnen als bärtigen stinkenden abergläubigen o.ä. zu schreiben. gleichzeitig ist es sicher nötig, zu hinterfragen ob man im falle von migrantinnen deren tun nicht allzu schnell als das tun einer gruppe versteht - also ethnisiert - während man es bei deutschen oder anderen weißbroten individualisiert - also ihrem einzelnen verhalten zuschreibt oder bestimmten politischen strömungen, während man bei migranten schnell mit dem label pali, libanese etc zur hand ist, wodurch dann auch wieder die dissidenten migranten verschwinden. und die gibt es ja durchaus, zb viele exiliraner hierzulande, die große islamismus- hater sind."


P.S.
Als Begleitlektüre empfehle ich eine aktuelle Diskose im ADF-Forum über identitäre Bedürfnisse und Philosemitismus.
18.8.06 15:43
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


w (18.8.06 16:31)
oh. bei planet olifani, auf den es mich ohne eigenes zutun verschlagen hat, wird der smilie etwas überdimensioniert angezeigt. weiß jmd abhilfe?


bigmouth / Website (19.8.06 14:01)
bravo. ich hoffe ja nur, der empfänger versteht's. und dass du doch wieder ab und zu mit eigenen inhalten bloggst, die FR kriegt die wg, in der ich jetztz seit gut nem halben jahr wohne, nämlich auch

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