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Polit-Depression

Scheisse.
Nachdem es um AundK Göttingen sowie ADK Berlin schon länger verdächtig ruhig geworden ist, Bad Weather Hamburg kaum noch was gebacken bekommt (vielleicht auch besser so ...), das BGR Leipzig sich bereits im Mai auflöste, hat nun auch K+P Berlin selbigen Schritt vollzogen. Damit sind beinahe alle Gruppen, die mir in den letzten Jahren durch eine relative Breitenwirksamkeit wie durch zumindest ansatzweiser theoretischer Eigenständigkeit aufgefallen sind, entweder weitgehender Inaktivität verfallen oder nicht mehr existent. Bemerkenswerte neue Gruppen sind nicht entstanden. Übrig bleiben etliche Blogs, die weder ernsthaft Debatten führen noch kritische Impulse nach außen geben, da sie meist in vollendeter Selbstreferentialität um sich selbst kreisen. Einen Zusammenhang dieser Vereinzelungstendenzen mit der teilweise ins Affirmative gewendeten Kritik am Kollektivfimmel der Traditionslinken - von Volksbefreiung über Volksküche bis Bauwagenplatz -, die regelmäßig deren dunklen Schatten - die bindungslose, flexible Warenmonade - ausblendet, kann ich nur vermuten. Ebenso zu vermuten steht, dass die Auflösungen bzw. Spaltungen auch mit dem identitären Gehabe in der radikalen Linken korrelieren, wo man entweder Antisemitismuskeulenschwingerin (ergo Anti-D), Nazischlägerin (Anti-Fa), Fluchthelferin (Anti-Ra), Genderdiskursantin (Anti-Sex) oder Sozialfummlerin (Anti-Kap) zu sein hat. Übergreifende Ansätze oder die gegenseitige Tolerierung verschiedener Schwerpunkte, die einen jeden auch im Zusammenhang mit dem falschen Ganzen sehen und ihm somit eine eigene Relevanz zugestehen, sind kaum noch auszumachen. Die oftmals zu lesende Anti-XXX-ismus-Schlagwortreihe ist da kein Beweis des Gegenteils, sondern eher Ausdruck des Scheiterns an den eigenen Ansprüchen.
Ein solches Scheitern wird auch durch das Fehlen substantieller Auflösungserklärungen oder sonstiger Reflexionen zur andauernden Misere demonstriert. Einerseits menschlich und u. U. aus Gründen der Konspiration nachvollziehbar, wird somit doch noch einmal der status quo einer von Kommunikationsfeindschaft, Erfahrungs- und Gedächtnismangel und oberflächlicher, tagespolitischer Fixierung geprägten Szene zementiert.
Parallel zum Abfassen dieses Eintrags konnte ich dank der 'jungen welt' Ulrich Maurers 'Suche nach Gemeinschaft' verfolgen. Von der größten linken Tageszeitung als "mutiger Stratege der neuen Linken" gelobt, plädiert er für die Überwindung des angeblich typisch linken "militanten Atheismus". Zwar sei "der linke »Nihilismus in der nationale Frage« [...] historisch verständlich, politisch aber falsch. Es sei Zeit, »einen deutschen Staat von den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ausgehend zu denken und zu gestalten«, um den Hegemonieansprüchen der USA effektiv zu trotzen und sich als Motor einer europäischen Einigungsbewegung zu bewähren, wie das Beispiel Frankreich zeige. Auch im tradierten Atheismus der Linken sieht Maurer ein Hindernis beim Widerstand gegen die neoliberale Hegemonie. Dieser Widerstand speise sich »zunehmend auch aus dem katholischen Lager und der islamischen Welt«. Und das nicht ohne Grund: Ist den »werte- und würdelosen Befürwortern des pragmatischen Nihilismus« der Markt Gott, so postulieren fast alle Religionen »den Vorrang von Werten vor der Ökonomie.« Deshalb seien gegenwärtig »Gläubige und Linke (…) natürliche Verbündete.«" (Zitat 'junge welt')
Die Linke ist nun also vollkommen auf den Hund gekommen: nicht mal mehr als bloß reformistische Verteidigerin des Bestehenden, sondern als Bündnispartnerin der am meisten reaktionären, am meisten imperialistischen, am meisten verdummenden Kräfte biedert sie sich an. Gegen diese militante Dummheit, welche die Menschen zugunsten des Kampfes gegen den externalisierten Hauptfeind in ihrem materiellen Elend wie ihrer ideellen Verblendung belassen will, einen militanten Atheismus zu setzen, wäre tatsächlich angebracht. Doch: wer sollte das tun? Vielleicht finden sich ja wenigstens einige Blogger_innen, die ein Manifest verfassen ...

Edit:
Um die Schmach noch schmächlicher zu machen sei noch ein kurzer, nicht weiter zu kommentierender Blick über den Gartenzaun zu Maurers Fraktionskollegen Wofgang Gehrcke geworfen:

"In einem Rundschreiben an die "lieben Genossinnen und Genossen" der Linkspartei und der Rosa-Luxemburg-Stiftung hat "mit solidarischen Grüßen" Wolfgang Gehrcke (PDS) zu einer Nahostkonferenz im Reichstag in Berlin eingeladen. Unter den Teilnehmern wird auch der Sprecher der Hamas-Regierung, Rhazi Hamad, aufgeführt. Die Konferenz soll Anfang November stattfinden.
[...]
Wolfgang Gehrcke (PDS) bestätigte, am Freitag einen Brief von der Bundesregierung erhalten zu haben mit der offiziellen Erklärung, dass Hamad kein Visum erhalten werde. "Das bedauere ich persönlich sehr", sagte Gehrcke. "Denn wir wollten hier in Deutschland einen Dialog in Gang bringen und dabei auch Präsident Abbas flankieren, der sich um eine Regierung der großen Koalition mit der Hamas bemüht". [...] Am Mittwoch, in der Fragestunde, wolle er die offizielle Visumsverweigerung für den Hamas-Sprecher im Bundestag thematisieren."
24.10.06 00:54


Ehrenmord

Weibliche Emanzipation mit Waffengewalt liquidieren - kein islamisches Privileg.
Bericht der Frankfurter Rundschau:

"Ehemann hat seine Frau im Schlaf erschossen

Weilburg - Einen Tag nach dem Fund eines toten Ehepaars in Weilburg hat die Obduktion die erste Vermutung eines Ehedramas bestätigt, wie die Limburger Polizei am Donnerstag mitteilte. Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergab, dass der 67 Jahre alte Mann zunächst seine 45 Jahre alte schlafende Ehefrau mit einem Schuss ins Gesicht tötete und sich danach mit derselben Waffe in den Kopf schoss. Die Tatwaffe war ein Armeerevolver. Insgesamt stellte die Polizei sechs Waffen bei dem 67-Jährigen, einem Antiquitäten- und Waffenrestaurator, sicher. Zwei davon waren in seiner Waffenbesitzkarte eingetragen. Die Herkunft der übrigen Waffen, darunter die Tatwaffe, ist unklar. Eine Freundin der Frau hatte das Paar am Dienstagmittag tot im Ehebett in seinem freistehenden Einfamilienhaus gefunden. Sie war über ein Fenster im Erdgeschoss eingestiegen, nachdem ihr Klingeln und Klopfen erfolglos geblieben war. Nach ersten Ermittlungen hatte der Mann am Sonntag erfahren, dass seine Frau ihn verlassen und zu ihrer Freundin ziehen wollte."
20.10.06 14:41


Wölfe im Bestiarium

Die ISF Freiburg, vermutlich die radikalsten FAZ-Abonent_innen der Republik, haben mit "Karl Marx, Israel und die Militanz der Vernunft" einen sehr lesenswerten Text veröffentlicht. Anbei der erste Teil, empfehlenswert ist allerdings die Lektüre in Gänze, auch wenn er zum Ende hin wieder wie desöfteren in krude Thesen ausfleddert.

"Gesellschaft ist ein Bestiarium. Daß die Dinge des Lebens einen Wert haben, ist den Insassen der bürgerlichen Gesellschaft längst objektiv geworden und zur zweiten Natur. Daß die verkehrte Gesellschaft sich verschwinden macht, indem sie sich als Geld setzt und als Kapital bewegt, daß sie sich erst verdinglicht um sich sodann zum Automaten zu verlebendigen, liegt auf der Hand. Derart niederschmetternd erscheint diese Objektivität, daß das Bedürfnis nach erhebender Subjektivität enorm wird. Die Individuen, als Subjekte die losgelassenen Egoisten der allgemeinen Konkurrenz, hungern im genauen Maße nach bedingungsloser Einheit. Wahrheit ist hier das Gleitmittel zum Konsens, die Methode, das Einverständnis damit, was ohnehin der Fall ist, aus eigener Freiheit zu unterschreiben. Was der Mensch im Zustand der kapitalisierten Gesellschaft braucht, das ist, die “Frankfurter Allgemeine” spricht es aus, “ein Sinnsystem – ob Religion, Philosophie oder etwas ganz anderes. Es geht darum, seinen Platz im Kosmos zu finden”, im absolut vorausgesetzten Ganzen. Wo die Wirtschaft das Schicksal sein soll, muß Sinn sein; da braucht das Kollektiv der Vereinzelten den Staat. Er erscheint als das Reich der Freiheit, als Ort der Selbstbestimmung, als Paradies des freien Willens und als bloße Funktion der Regelung der Gesellschaft durch sich selbst, d.h. als Apparat, der bloß die Stimmen auszählt. “Wenn Institutionen die Hardware unserer Gesellschaft sind, ist Vertrauen die Software”, so erkannte die “Welt am Sonntag”. Der Bourgeois will wissen und fühlen, wie grandios und frei er als Citoyen ist; er vernebelt sich selbst und fügt seiner Zwanghaftigkeit so den Voluntarismus hinzu. Das objektiv notwendige, eben deshalb falsche Bewußtsein von der Ökonomie kann ohne das ebenso verkehrte von der Politik nicht haushalten, so wenig, wie Ausbeutung bestehen kann ohne die Herrschaft. Der Staat ist, im Prinzip (und wenn nur diese Regierung nicht wäre), ein guter Mann.

Die Gesellschaft der Deutschen ist nicht nur ein Bestiarium, sondern sie genießt das in vollen Zügen. Anderswo ist der Mensch des Menschen Wolf, hier ist er‘s mit voller Absicht und in aller Leidenschaft des Selbstbewußtseins. Das besonders Bösartige der Ideologie von der Volkssouveränität speist sich in Deutschland daraus, daß die Landsleute unmöglich die beglückende Erinnerung an die totale Verschmelzung von Gesellschaft und Staat abtun können, die ihnen der Nazifaschismus bescherte. Die Einheit war einmal real gewesen und handgreiflich in Winterhilfswerk, Raubkrieg und Massenvernichtung. Daß sie Wirklichkeit nur werden konnte im barbarischen Mordkollektiv, wird im Nachhinein zwar abgespalten, verdrängt und beschwichtigt, bleibt aber gerade darin als Objekt der Begierde erhalten, d.h. als Faszinosum und als Tabu. Der NS war, wie Theodor W. Adorno und Max Horkheimer im Exil notierten, nicht einfach so Barbarei, “sondern der Triumph der repressiven Egalität, die Entfaltung der Gleichheit des Rechts zum Unrecht durch die Gleichen”, und “Rasse (...) die Selbstbehauptung des bürgerlichen Individuums, integriert ins barbarische Kollektiv”. Hitler, der, einem anderen Wort Adornos zufolge, “wie kein anderer Bürger das Unwahre am Liberalismus durchschaute”, buchstabierte dessen Konsequenz aus. Denn die kapitalisierte Gesellschaft ist der Widerspruch in sich selbst, eine entfaltete Wirklichkeit, die eine logische Unmöglichkeit ausdrückt: die Selbstentzweiung und Spaltung der menschlichen Gattung."
19.10.06 23:03


Was wir wollen ist nicht viel - ...

... mit Stil gegen Israel!", dachte sich wohl Noaz aus Madrid, als er dieses Stencil an die Wand brachte.

Das arme, unschuldige, treudoofe Kind namens Palästina, bedroht von einem über ihm thronenden, hochgerüsteten, gesichts- und unterleibslosen Gegner. Das Gute gegen das Böse, das Konkrete gegen das Abstrakte, Ohnmacht gegen Allmacht, das InderArt-Bleibende gegen das AusderArt-Schlagende.
Die Projektion hilfloser Infantilität auf die Palästinenser_innen ist dabei nicht nur Teil der üblichen Entschuldungsstragie für Judenmord - von wegen Verzweiflung, Auswegs- und Perspektivlosigkeit - sondern stellt auch eine unverschämte Entmündigung dar: Wie ein Kind nicht selbstständig aus den Klauen brutaler Hijacker entkommen kann, so können sich die Palästinenser_innen - bzw. "Palestine" als mythische Einheit - nicht allein befreien. Ihnen die Ketten abzunehmen vermögen nur die europäischen Kulturmenschen, die somit gleichzeitig auch die humane Maske für ihre geopolitischen Interventionen gebastelt haben - wer kann schon den süüüßen Augen eines um Hilfe flehenden Kindes widerstehen?
Andererseits wird die Kindlichkeit auch genutzt, um die Anklage gegen Israel zu schärfen, denn was ist noch schlimmer als ein gemeiner Mörder? Genau - ein Kindermörder. Das ist einer, der keine Grenzen und Skrupel mehr kennt, von purer Mordlust getrieben wird und dem darum jedes Verständnis - wie man es etwa noch im Falle von Eifersuchtsdramen zeigt - entzogen wird. Solche totale Aggression, die in Wahrheit Alle begehren, kann nicht als Eigene erfahren werden und wird darum denen zugeschrieben, die seit alters her durch ihre Alterität, ihre archaischen Rituale und Sitten - wie das alttestamentarische 'Auge um Auge' - auffallen.
Die Jüd_innen als Kindermörder und die Palis als prospektiv zu mordende Kinder - vielleicht ist dieses an sich zu ignorierende Stencil nicht nur das Abzugsbild der europäischen Sicht auf den 'Nahen Osten', sondern auch ein Hinweis auf die notwendige Verwobenheit von Rassismus und Antisemitismus!?


Edit:
Noaz hat ein eigenes Fotolog eingerichtet: Klick. Seine Bilder bedienen wirklich sämtliche Ressentiments,
hier kommt auch noch die gottesfürchtige, um ihr Kind trauernde Mutter ins Spiel. Zu allem Übel sieht er sich auch noch in der Tradition des Antifas John Heartfield. Kotz.
16.10.06 02:18


Gröhlemeyer zum Zweiten

Das Grauen beim Absingen des offiziellen FIFA-Songs zur WM 2006:



Der 'Spiegel' schreibt in diesem Zusammenhang über die "deutsche Eiche unter den Liedermachern" bzw. "the german answer to Bruce Springsteen":


"Das Lied fängt besinnlich wie ein echter Grönemeyer an, nachdenklich und schwermütig - deutsch eben. "Wer sich jetzt nicht regt, wird ewig warten", dräut der Sänger in Anlehnung an Rilkes "Herbsttag". Wir haben verstanden: Kommt jetzt mal in die Hufe, heißt das; runter vom Sofa, rein ins Stadion. Oder auch: Jetzt jammert mal nicht so viel, sondern freut euch des Lebens und vor allem der WM. [...] "Für Deutschland gesehen geht es in dem Lied auch um das Gefühl, die Dinge andersherum zu sehen", sagt Grönemeyer in einem Interview der Plattenfirma SonyBMG, "nach vorne zu blicken, dass sich die Stimmung dreht". [...] Das Stück soll eine Leichtigkeit "von uns Deutschen repräsentieren, die man nicht so kennt". Damit das auch klappt, folgt auf das besinnliche Intro ein Zwischenspiel mit fröhlichen afrikanischen Beats und Gesängen des blinden Ehepaars aus Mali. [...] Danach geht das Lied in den stadiongerechten Refrain über: "Zeit, dass sich was dreht, was dreht, was dreht, was dreht!", grölt der Chor in Endlosschleife, und wenn man nicht genau hinhört, könnte man da auch ein saloppes "Was geht?" heraushören. Hey, Deutschland! Was geht?"

Da freut sich die Autonome: Grönemeyer praktiziert internationale Solidarität wie aus dem Lehrbuch. Von den Afrikanern nimmt er die Leichtigkeit und Beschwingtheit - "Guuude Laune" - und von den Deutschen die nötige Schwermut - Rilke knödel knödel - um nicht vollends abzuheben, und schon hat er einen Hybriden erschaffen, der sich gewaschen hat. So wie die FIFA-Hymne eine Brücke zwischen Afrika und Deutschland schlägt, so werden hoffentlich auch Grönemeyer und die Link(sradikal)en zusammenfinden und gemeinsam 'über sieben Brücken gehen'. Ach nee, das war ja der andere Berufsschmock des deutschen Schlagers ..
15.10.06 23:19


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